22.10.08
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Berns Stärke ist die Nähe zu Zürich

Bern und die Metropolitanräume

Einer von drei in 90 oder weniger Minuten erreichbaren internationalen Airports: Flughafen Zürich.

Ist Bern ein "Metropolitanraum"? — Weil mir als Laien unter diesem Begriff unwillkürlich solche räumlichen Gebilde einfallen wie London, Paris, München oder Moskau, würde ich darauf spontan mit Nein antworten: Damit assoziiere ich Bern etwa so wie YB mit einem europäischen Spitzen-Fussballklub, also gar nicht.

Doch offenbar teilen nicht alle diese Vorstellung. Zumindest einige Berner Politikerinnen und Politiker wollen die Bundesstadt partout in jener Liga sehen: Sie verlangen entweder vom Bundesrat, dass er Bern umgehend zu einem Metropolitanraum erklärt (so SVP-Nationalrat Joder), oder aber von den Lokalbehörden, dass sie Bern möglichst rasch in einen solchen transformieren (verschiedene FDP-Exponenten).

Inakzeptable Herabstufung?

Der Hintergund: Im Entwurf zum "Raumkonzept Schweiz" des Bundesamtes für Raumplanung (ARE) werden für die Schweiz drei Metropolitanräume definiert: nämlich Zürich, Basel und das Genferseebecken. Was dabei nun für Aufregung sorgt, ist nicht etwa die Frage, ob drei solche Gebilde nicht etwas gar viel seien für ein so kleines Land — nein, es ist die Tatsache, dass es nicht noch mehr sind! Wo Zürich genannt wird, da will Bern dazugehören, könnte man meinen — egal, worum es geht. Ist dies nicht der Fall, empfinden viele das als Herabstufung, die sie nicht akzeptieren mögen.

Überschaubare oder metropolitane Stadt?

Sollte man da nicht besser zuerst einmal fragen, wie denn die Bernerinnen und Berner selbst ihre Stadt sehen und sehen wollen? Was für ein Bern wollen wir denn? Ist es das, was etwa der Geografieprofessor Paul Messerli unter einem Metropolitanraum versteht — nämlich ein "Gateway", d.h. eine Drehscheibe, die einen nationalen mit dem globalen Wirtschaftsraum verbindet (siehe "Newsnetz" vom 26.09.2008)? - Laut dem kürzlich veröffentlichten dritten Lebensqualitätsbericht der Stadt Bern nannten die Befragten die "überschaubare Grösse" am zweithäufigsten als positiven Aspekt - gleich hinter jenem der "schönen Stadt". Beides scheinen mir nicht unbedingt die augenfälligsten Eigenschaften einer solchen Drehscheibe zu sein.

Drei Flughäfen in 90 Minuten Entfernung

Sehr wohl eine solche Eigenschaft wäre hingegen — um nur ein Beispiel zu nennen — das Vorhandensein eines internationalen Flughafens. Dass eine Mehrheit der Bernerinnen und Berner so etwas haben will, wage ich nun aber doch ernsthaft zu bezweifeln. Das wäre ökologischer und ökonomischer Unsinn. Wir brauchen ja einen solchen Flughafen auch gar nicht. Dank Anbindung an ein öV-System, das seinesgleichen sucht, sind von Bern aus gleich drei internationale Flughäfen in rund 90 oder weniger Minuten erreichbar. Soviel Zeit benötigt man in London oder Paris (oder mit ein bisschen Pech durchaus auch in Zürich) oft allein schon, um vom einen Rand des Metropolitanraums an den andern oder eben vom Zentrum zum jeweiligen Flughafen zu gelangen!

Vorteile nutzen ohne Nachteile zu tragen

Gerade das Beispiel Flughafen zeigt es trefflich: Bern ist kein Metropolitanraum, will mit grosser Wahrscheinlichkeit keiner sein und hat dies auch gar nicht nötig. Berns grosser Vorteil besteht — nebst seiner unter anderem auf Überschaubarkeit gründenden Lebensqualität — aus der guten Erreichbarkeit von mindestens einem Metropolitanraum. So kann Bern die Vorteile eines Metropolitanraums nutzen, ohne dessen Nachteile (etwa Fluglärm) tragen zu müssen. Bern hat nichts dabei zu gewinnen, wie Zürich zu werden. Ganz im Gegenteil: Berns Stärke und Chance liegt just in der Nähe zu Zürich. Ein Vorteil, der Zürich abgeht: Zürich hat das Pech, selbst Zürich sein zu müssen.

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