09.10.08
Alle Zwischenrufe, Verkehrspolitik, Stadt Bern
 

Stadtberner öV ist nachts nicht konkurrenzfähig

Ein dichterer Fahrplan muss her

Ab 7 Uhr abends fahren in Bern Tram und Bus immer seltener.

Lässt abends oft lange auf sich warten: Berner Tram

Eifrig wird derzeit am Tram Bern-West gebaut. Andere Tramlinien sind in Diskussion oder in Planung. Schienen allein verschaffen dem öffentlichen Verkehr allerdings noch zu keinen Wettbewerbsvorteilen. Es bräuchte auch noch Trams drauf — und diese müssten zu Zeiten fahren, da sie gebraucht werden.

Oft hilft nur Taxi oder eigenes Auto

Tagsüber ist das in Bern mehr oder weniger der Fall. Ab 7 Uhr abends bis etwa 6 Uhr morgens hört allerdings der Spass auf. Da fahren Tram und Bus zuerst immer seltener, um gegen Mitternacht ganz damit aufzuhören. Dies obwohl die Innenstadt heutzutage um diese Zeit noch voller Leben ist und die SBB-Züge aus dem Rest des Landes und von den Flughäfen her munter weiter Gäste herkarren. Wer nach Mitternacht in Bern ankommt, muss deshalb sein Auto im Bahnhof-Parking stehen haben oder ein Taxi nehmen. Wer morgens einen frühen Flug erreichen muss, dem bleibt nichts anderes übrig als am Vorabend anzureisen und ins Flughafen-Hotel zu gehen.

Zwar führen die SBB auf den kommenden Fahrplanwechsel neu einen Direktzug Bern-Zürich um 05.30 Uhr ein. Nur leider schläft Bernmobil um diese Zeit noch — den Weg zum Bahnhof wird man halt auf sonst irgend eine Art überwinden müssen.  

Langwierig und hochkomplex

Nun habe ich aus Medienberichten zu diesem Thema gelernt, dass dies alles nicht die Schuld von Bernmobil ist und auch nicht der Stadt: Beide möchten durchaus früher aufstehen und abends ein bisschen länger für uns wach bleiben! Aber erstens wird das öV-Angebot durch den Kanton festgelegt und zweitens jeweils vier Jahre im voraus und drittens in einem hochkomplexen Verfahren. Da wird man also noch lange warten müssen, bis man als Stadtberner per öV zum 05.30-Uhr-Zug anfahren kann.

Ebenso lang warten wie fahren

Persönlich empfinde ich aber auch die Abendstunden zwischen 7 Uhr und Mitternacht als Schwachpunkt. Da ist der Fahrplan derart ausgedünnt, dass es durchaus vorkommen kann, dass man für eine Reise von einem Stadtteil in einen andern doppelt soviel Zeit benötigt wie tagsüber — nicht weil Tram und Bus langsamer fahren würden, sondern weil man viel länger auf sie warten muss. Wer Pech hat und umsteigen muss, wartet wo möglich zweimal eine Viertelstunde für eine Fahrzeit von insgesamt etwa gleicher Länge. Wahrscheinlich rührt diese abendliche Fahrplanausdünnung noch von Zeiten her, da alle Geschäfte um halb 7 schlossen und die Wirte um 10 Uhr mit dem Heraufstuhlen begannen.

Für weniger innerstädtischen Autoverkehr

Mit Sicherheit aber würde innerhalb der Stadt Bern noch erheblich weniger Auto gefahren, wenn das öV-Angebot abends kundenfreundlicher ausgestaltet wäre. Eine substanzielle Fahrplanverdichtung scheint mir notwendig. Das ist vielleicht nicht ganz so dringlich wie die Herstellung von Bernmobil-Anschlüssen an die nachmitternächtlichen Züge aus Zürich, Basel und Genf. Aber bei so komplexen und langwierigen Fahrplanänderungs-Verfahren kann man seine Bedürfnisse nicht früh genug anmelden!

Feedback an Richard Pfister